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Keine Stammtisch-Parolen

Seit Tagen und Wochen geistern in meinen Gedanken viele Themen, die ich nicht so ohne weiteres in Worte fassen kann, ohne in Stammtisch-Philosophie, oder noch schlimmer in Stammtisch-Parolen abzudriften.

 

Ich meine damit die Steueraffäre Hoeneß und andere, die Krim-Krise, die Ukraine, das Verhalten der EU und natürlich Putin.

Bei der Steueraffäre Hoeneß gab es ja inzwischen gefühlte 130 Talkshows, die darüber diskutierten, einige spielten sehr stark den Moralapostel, andere versuchten sich an den Gesetzen lang zu hangeln, wieder andere forderten stärkere Strafen usw. Meines Erachtens sind nur ganz wenige den Stammtisch-Parolen entkommen.

 

Gleichzeitig stellte ich fest, wie harmlos die EU ist, wenn ein weniger demokratisches Land „Political Correctness“ einfach mal über den Haufen wirft.

Bei der ganzen Ukraine Geschichte habe ich mich auch deshalb zurückgehalten, weil ich nicht genügend Wissen hatte, weil ich nicht so dumm sein wollte überflüssige Kommentare abzugeben. Ich hoffte auf Frau Marina Weisband, die irgendwann auch aus der Ukraine zurückkehrte und berichtete, aber dann wurden wir alle und vor allem die Politiker von den Ereignissen auf der Krim überrollt.

 

Als ich dann gestern Nachmittag auch noch einen Artikel las, der auf Facebook gepostet wurde, über die lasche Verurteilung von 2 Jahren auf Bewährung, eines 20 jährigen Menschen, dem 165 Fälle von schwerem sexuellen und sexuellem Missbrauch nachgewiesen wurde, dachte ich direkt an Uli Hoeneß und sein Strafmaß. Wutschnaubend habe ich dann diesen Artikel geteilt, damit noch mehr Menschen ihn lesen.  

 

Ich könnte jetzt etwas darüber schreiben, wie einfach es die Medien, nicht nur die Nachrichten, sondern auch Social Media haben, um uns zu beeinflussen, das stimmt auch, aber ich will über etwas viel wichtigeres schreiben. (Nur zur Info, das Urteil ist aus dem Jahre 2012)

 

Dann sah ich gestern Nacht noch, wie ein Abgeordneter des ukrainischen Parlaments, Mitglied des parlamentarischen Ausschusses für Pressefreiheit, den Chef des staatlichen Fernsehens mit mehreren Gleichgesinnten unter Zuhilfenahme von körperlicher Gewalt zum Rücktritt zwingen wollte. Die Partei des Abgeordneten ist auch noch in Regierungsverantwortung.

 

Wir, die EU und die Bundesrepublik Deutschland zeigen nur Schwäche. Unsere Politik ist die eines Schwachen, unser Rechtssystem ist das von Schwachen, oder wie kommen solche Urteile zu Stande?

 

Es ist unstrittig, dass sich die EU im Falle Russlands nach der deutschen Wiedervereinigung besonders provokant verhalten hat, ja sogar auf ganz hohem Rosse saß. Nachdem Polen, und vor allem die baltischen Staaten nach dem EU Beitritt auch noch –trotz gegenteiligen Versprechens- der Nato beitraten, war die Bedrohung für Russland perfekt.

 

Wenn jetzt auch noch die Ukraine für einen EU-Beitritt kämpft, dann wird Russland der Zugang zu einem weiteren Seeweg versperrt, aber noch viel mehr, Russland hat eventuell noch einen Nato-Partner vor der eigenen Tür. In die Ecke gedrängte Tiere werden gefährlich.

 

Auch auf diese Politik will ich nicht eingehen, sondern auf unser höchstes Gut: Wir leben in einer Demokratie, genießen alle Freiheiten dieser Demokratie.

 

Wir können uns mitteilen, wir können sagen, was wir denken, wir müssen nicht unsere Unschuld beweisen, wir können mitbestimmen, wir können uns verweigern, wir können uns frei bewegen, wir dürfen unsere Freiheit verteidigen.

 

Stärker noch, unsere soziale Marktwirtschaft scheint die höchste Güteklasse der Freiheit zu sein und das deutsche Grundgesetz eine der besten Gesetzgebungen.  

 

Manche Urteile mögen da komisch, oder besser unverhältnismäßig wirken, aber „Schnippel ab“, was manchmal bei so wundersamen Urteilen wie bei dem 20 jährigen Kinderschänder gefordert wird, sollten doch mit Vorsicht genossen werden, da sie sehr stark an Scharia erinnern, wo dem des Klauens Überführten die Hand abgenommen wird (ob abgehackt, oder amputiert, ist von Land zu Land unterschiedlich).

 

Einige Ukrainer stritten für mehr Freiheit, mehr Anlehnung an die EU, andere haben diese Freiheit bereits, wie viele der ehemaligen Ostblockstaaten und Ex-Sowjetrepubliken. Diese Freiheiten will man einmal gewonnen sicher nicht mehr hergeben, so dass einige Länder inzwischen große Angst haben, dass auch sie von Russland annektiert werden, wie bei der Krim geschehen.

 

Gerade wir Deutschen wirken in der Politik immer besonders schwach, wir können leider nicht drohen, zumindest nicht direkt. Wir haben keine Atomwaffen, können also nicht mit den Muskeln spielen, wie es Putin nur zu gerne macht und dafür auch die speziellen Bilder mit nacktem Oberkörper liefert. In Deutschland, allerdings auch in Europa funktioniert das etwas anders. Frau Merkel im Muscle-Shirt, das passt nicht, sie hat aber auch keine militärische Handhabe.

 

Wir werden über kurz oder lang Russland sicher in die Schranken weisen können, aber es erfordert Mut und Geduld, vor allem weil wir, die einfachen Bürger viel mehr zu verlieren haben, als der einfache Bürger Russlands, zu allererst unsere Freiheit und unseren Wohlstand, der aus der Freiheit erwachsen ist.

20.3.14 17:04

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