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Robert „der Henkelmann“ Lange

Wenn man älter wird, achtet man mehr auf das Essen. Zumindest ist das bei mir so, allerdings weiß ich auch von einigen meiner Bekannten und Freunde, dass sie bestimmte Diäten halten. Ein Freund von mir bekommt die Gallenblase herausgenommen, darf kaum Fettiges zu sich nehmen.                                                                                                    

In Düsseldorf gibt es genügend Restaurants, in denen man auch mal auf die Schnelle etwas essen kann, aber irgendwie sind es neben McDonalds immer wieder die gleichen Typen an Restaurants: Asia, Döner-Bude, Grieche, Pizza und Pasta vom Italiener und ganz selten orientalisch. Die meisten dieser Fast-Food Restaurants für unser Mittagessen haben im Hintergrund Großhändler, die fast alles liefern können, oder haben Sie mal erlebt, dass ein Grieche noch den typischen Krautsalat selbst macht? Beim Italiener sind das die Tomatensauce, Teigrohlinge für die Pizza, aber auch Tortellini, Lasagne, die dann als hausgemacht feilgeboten werden. Glauben Sie, dass Ihr Türke noch selbst Fleisch zu einem Döner aufspießt, oder die Joghurt-Sauce selbst macht?

In den vielen Kneipen-Restaurants bekommen wir immer sehr ähnliche Gerichte, wie zum Beispiel „Salat mit gebratenen Putenbrust-Streifen“, ein Wok-Gericht und irgendetwas Deftiges. Auch hier sind die Convenience-Großhändler gern behilflich. Irgendwie ist fast alles im günstigen Segment austauschbar, die Speisekarten, wie auch die Geschmäcker ähneln sich. Das ist wie die EU, alles muss gleichgeschaltet werden, alles muss ein Niveau haben, wenn es eben nicht höher werden kann, dann eben auf die niedrigere Stufe, nur eben gleich.

Vor ein paar Wochen sagte mir Mischa, ein Café-Besitzer, wo ich sehr gerne meinen wirklich liebevoll zubereiteten Espresso trinke, dass ich doch mal „den Henkelmann“ ausprobieren sollte. Der macht jeden Tag einen Eintopf und hat noch ein anderes Gericht auf der Karte.

Eintopf? Ich entgegnete Mischa, dass es doch am Carlsplatz bereits eine Eintopf-Bude, namens Gulasch-Kanone gäbe. Mischas Kommentar:“Die machen doch nur auf Masse.“

 

Also ging ich das erste Mal zu „der Henkelmann“. Von außen wirkt das Restaurant wie ein normales Geschäft, mit 2 großen Fenstern, die früher sicher einmal als Auslage gedient haben. Auf den Fensterbänken stapeln sich Henkelmänner, metallene Dosen, in denen früher die Arbeiter ihr Essen hatten. Diese Dosen wurden dann in heißem Wasser aufgeheizt, so dass man warmes, reichhaltiges Essen hatte, das man für die harte Arbeit benötigte.

Drinnen gibt es schätzungsweise 7 Tische für 2 bis 8 Personen. Die Einrichtung ist „Düsseldorf Style“, also wie im Olio, einfach ein paar alte Tische und Stühle bunt zusammengewürfelt. Die Wände sind getüncht, also verputzt und gestrichen. Es gibt immer mal wieder wechselnde Bilder an den Wänden. Hinter einer Theke, die auch der Durchgang zur Küche darstellt sieht man einen Mac Computer, wo man unschwer erkennen kann, dass der Henkelmann auf Facebook zu finden ist.

Robert kam aus seiner Küche (er ist Koch und Kellner in einer Person) und als er mich sah, reckte er die Arme in die Höhe, als ob er gerade das entscheidende Tor im Elfmeterschießen erzielt hätte. Wir kannten uns, ich hatte ihn schon ein paar Mal bei Mischa gesehen.

Warum er jubelte? Ich weiß es bis heute immer noch nicht so genau, vielleicht weil er mich kannte, oder weil ich ein neuer Gast war. Keine Ahnung. Ich fragte ihn, was ich denn so essen könnte, worauf hin er erst einmal sagte, dass ich mich setzen sollte, (ach ja ich stand immer noch) er würde gleich zu mir kommen.

Ein paar Minuten später kam er zu mir und sagte, dass es noch von gestern Rindfleischeintopf gäbe und Gemüseeintopf mit oder ohne Mettwurst. Ansonsten Schnitzel mit selbstgemachten Kartoffelsalat. Schnippisch fragte ich, ob der Rest nicht selbst gemacht wäre, woraufhin er stolz sagte: „Hier wird alles selbst gemacht!“ Selbst das Brot und der Kuchen sind selbst gebacken, einmal er und einmal die Mami, die Birnenkuchen, Kirschkuchen und Apfelkuchen backt.

Ich bestellte den Gemüseeintopf, ohne..., bekam dann das selbstgemachte Brot (himmlisch, mit Möhre, ein weiches sehr schmackhaftes Brot) und sein selbst kreiertes Gewürzrad. In einem Holzkreis sind 5 Löcher ausgesägt, an dem ein langstieliger Tragehenkel herausragt, ähnlich den Kölschtabletts, der Kölner Köbesse. In den Löchern befinden sich 5 Schnapsgläser, in denen unterschiedlich-farbige Öle sind, Chili, Knoblauch, Petersilie, Dill und Rosmarin. Ich probiere alle Öle mit dem Brot, tolle Geschmackserlebnisse, aber Robert sagte mir, dass ich damit den Eintopf aromatisieren sollte. Er kam auf die Idee, weil er nie 100% den Geschmack aller traf und somit man den Gemüseeintopf typisch deutsch, oder mediteran, aber auch eben scharf genießen kann. Ich habe mir schließlich das Rosmarin Öl in meinen Eintopf getan und war hellauf begeistert. Die Portion war üppig, zusammen mit dem Brot eine wirkliche Hauptmahlzeit (und ich kann viel essen). Geschmacklich super, alles wurde ohne Geschmacksverstärker zubereitet, einfachste, aber eben super ehrliche Küche zu zivilen preiswerten (es ist den Preis wert, was man bekommt) Kursen.

Inzwischen habe ich alle Eintöpfe probiert, bin immer zufrieden gewesen und werde mich noch an Schnitzel und Kuchen herantrauen.

Mein Fazit, wer Eintöpfe mag, muss dahin.

Bilker Allee/ Ecke Friedenstraße

10.3.14 16:49

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