Letztes Feedback

Meta





 

Über

Ich schreibe gerne und gebe gerne gefragt oder ungefragt meine Meinung von mir.

Mein Interesse gilt der Politik, aber ich bin nicht Anhänger einer Partei, da mir keine Partei in Deutschland wirklich gefällt.

Ich vermisse außerdem einen „konstruktiven Widerspruchsgeist“ in unserer Gesellschaft, mit dem Probleme nicht nur angesprochen werden, sondern auch Lösungsansätze aufgezeigt werden.

Bisher habe ich nur meinen engsten Freunden meine kleinen Machwerke zur Verfügung gestellt. Mir wurde mehrfach empfohlen, einen Blog zu starten, was ich nach längerer Überlegung jetzt tue. Ich freue mich sehr auf Reaktionen und Kritik von Lesern.

Alter: 52
 


Werbung




Blog

„Fuck the EU“, kein weiterer empörter Kommentar

„Fuck the EU“, kein weiterer empörter Kommentar

 

Als ich von dem Fauxpas von Mrs. Nuland das erste Mal hörte, war ich genau, wie viele andere empört, dachte, dass dieser Politikerin mal gehörig der Marsch geblasen werden sollte.

Wie immer lohnt es sich aber genauer hinzuschauen, einen anderen Blickwinkel einzunehmen, dann bleibt es zwar immer noch ein Fauxpas, was sich Frau Nuland da geleistet hat, aber ein meines Erachtens sehr verständlicher.

 

Es geht hierbei ja um Verhandlungen mit der Ukraine, und Frau Nuland deutet damit an, dass es ihr egal ist, was die EU sagt. Warum ist das so? Warum wird die EU nicht so ganz für voll genommen? Die EU ist ein großes Gebiet, mit vielen Menschen, Wohlstand, Demokratien, Wirtschaftskraft usw. Man kann sicher noch viele Attribute nennen, die die EU sehr gut charakterisieren.

 

Kennen Sie Europa-Politiker? Wer ist der aktuelle Vorsitzender des EU Parlaments? Wer hat dort die Mehrheit? Was hat die EU-Kommission zu sagen? Wer bestimmt die Politik der EU?

Ich muss zugeben, dass ich ohne Recherche nur 2 Antworten wüsste. In einer Schul-Klausur wäre das ein Mangelhaft, kurz vor Ungenügend.

Ich weiß zu wenig über die EU, weil es mich nicht interessiert und sicher weil zu wenig in den normalen Nachrichten-Sendungen berichtet wird.

 

Stellen wir uns einmal vor, die EU bereist China, da wird unsere Außenbeauftragte sicher die Menschenrechte ansprechen und zu mehr Anstrengungen für eine demokratische Ordnung auffordern. Übrigens, unsere EU Außenbeauftragte heißt Mrs. Ashton. Sie vertritt uns in den Belangen Europas. Ihre Delegation wird sicher nicht klein sein, bestehend aus Politikern, die sicher Kenner der chinesischen Politikszene sind, sie wird auch sicher Geld m Gepäck haben, um irgendwelche Projekte anzustoßen.

Wenn jetzt aber eine deutsche Delegation nach China reist, dann sind Kanzlerin, Außenminister, Wirtschaftsminister und sicher noch ein paar Staatssekretäre dabei, vor allem aber die Vorstandsvorsitzenden der wichtigsten deutschen Unternehmen, wie Siemens, Daimler, BMW, VW, der Banken, Pharma- und Chemieproduzenten. Es geht um große Aufträge. Frau Merkel wird sicher auch über Menschenrechte sprechen wollen, aber all die Unternehmer, die mitreisen, werden Frau Merkel um Zurückhaltung bitten. Hier fängt Realpolitik an. Es geht um Geld, Arbeitsplätze, Wohlstand usw. England, Frankreich, Holland, Spanien und Italien werden es kaum anders machen.

 

Als die EU in die Finanz-, Schulden- und Eurokrise schlidderte konnte man viele Kommentare lesen, dass man zwar eine Währungsunion hätte, aber noch lange keine politische Union und schon gar keine fiskalische Union hätte.

 

Wenn man also keine politische Union hat, dann muss doch die EU eine Gruppe ohne Macht, ohne Befugnis sein, genauso wie die UN keine wirkliche Macht hat, solange Vetomächte sich immer gegenseitig aushebeln. Wer hat schon Lust sich in Krisengebieten, wie es im Moment nun mal die Ukraine ist, mit einem Debattierklub auseinanderzusetzen.

 

Frau Nuland wird sicher nicht das Wort „Fuck“ im Zusammenhang mit Frau Merkel gebrauchen, da sie ein ernst zu nehmender Mitbewerber um die politische Gunst anderer Staaten ist.

 

Ich kann mir allerdings auch vorstellen, dass früher unser Bundeskanzler Schröder abseits der Mikrofone häufiger verbale Kraftausdrücke benutzte, nur nicht erwischt wurde.

 

Manchmal hilft es, wenn man einen Schritt zurück geht, und die ganze Sache nüchtern betrachtet. Nichts desto Trotz ist und bleibt die Aussage von Mrs. Nuland ein Fauxpas.

 

 

10.2.14 12:50, kommentieren

Die mögliche 3. Intifada

Ich habe eben einen Artikel von Tom Friedman gelesen, der ein absoluter Kenner von Israel ist. Er berichtet über eine mögliche 3. Intifada, die aber nicht von Ramallah, oder Jenin ausgeht, sondern von westlichen Staaten ausgeht. Firmen wollen plötzlich keine israelischen Produkte mehr kaufen. Eine immer stärker werdende Boykott-Stimmung gegenüber israelischen Produkten kann man sicher an Soda-Stream und Scarlett Johansson gut festmachen.

Bei Boykott-Aufrufen gegen israelische Produkte erfolgt mechanisch immer wieder dieselbe Antwort von uns etwas bornierten und leicht rechthaberischen Juden: Es hat sich nichts geändert, man brauche nur das Wort Jude durch Israeli auszutauschen, schon habe man das salonfähige „kauft nicht bei Israelis“.

Andere sagen voller Stolz und leichter Angabe: „Sollen sie doch machen, als erstes sollen die ihre Laptops zuklappen, ihre künstliche Herzklappe herausnehmen lassen, ihre Handys in den nächsten Fluss werfen, ihre Autos stehen lassen, usw.“

Ja, ich habe in den letzten Jahren auch immer wieder so reagiert, aber die Gemengelage ist heute meines Erachtens komplizierter.

 

  1. Früher wie heute werde ich angesprochen mit: Ihr Israelis treibt da kein gutes Spiel. Früher konnte ich allerdings immer den Spielball zurückgeben, indem ich sagte, dass sich Israel gegen die Aggressoren von Außen zur Wehr setzt. Das Bild hat sich aber gewendet, heute sind -nach Meinung Vieler- die Israelis die Aggressoren, ist Israel der einzige noch verbliebene Apartheitsstaat dieser Welt.

Ich, der nicht-israelische Jude komme automatisch in die Verteidigungsposition, habe allerdings meistens die besseren Argumente, mehr Wissen, was meine Diskussions-Kontrahenten häufig noch aggressiver macht.

  1. Durch den von Broder sehr genau beschriebenen linken Antisemitismus, der meistens mit „ich habe nichts gegen Juden, aber was in Israel passiert….“, oder mit „man wird ja wohl mal sagen dürfen…..“ und „ich will Euch ja nur helfen….“ beginnt, wird der Antizionismus, die Anti-Israel-Haltung zwar benannt, aber diese letztendlich in eine Verallgemeinerung geführt, die dann gegen alle Juden dieser Welt gerichtet ist.
  1. Die Grenzen des rechten und linken Antisemitismus, und des arabischen Antisemitismus verwischen sehr. Heute sprechen Menschen arabischer Herkunft nicht nur über die israelischen Aggressoren, sondern auch darüber, dass das Judentum das Geld hat und heimlich die Welt regiert. Die Rechtsradikalen sprechen plötzlich das außenpolitische Thema Israel an, eindeutig ein linkes Thema.
  1. Durch die Öffnung des „eisernen Vorhanges“ sind zwar viele Juden aus den ehemaligen Ostblockländern nach Westeuropa und nach Israel gekommen, aber in den Ländern, wie Polen, Ungarn, Ukraine, Russland, die baltischen Staaten ist der Antisemitismus nicht aufgearbeitet worden, er ist dort immer noch real existent.

 

Wenn ich dann sehe, dass in Paris völlig offen Rechtsradikale und Franzosen arabischen Ursprunges Naziparolen von sich geben dürfen, bekomme ich Beklemmung. Nicht umsonst haben viele französische Juden, wenn sie es sich leisten konnten, Wohnungen in Tel Aviv gekauft, um eine gewisse Sicherheit zu haben.

 

Zurück zum Israel-Boykott. Israel muss aufpassen, egal wie toll irgendwelche technischen Errungenschaften sind, internationale Firmen wie Intel, Microsoft, usw. werden schnell wieder aus Israel weg sein, wenn Strafzölle erhoben und andere Behinderungen bei israelischen Produkten stattfinden. Man denke nur daran, dass Südafrikas Apartheitsregime aufgab, dass in Nordkorea die Menschen hungern und das alles nur wegen Sanktionen.

Man sollte viel eher in Richtung Iran schauen, die Sanktionen durch eine Charme-Offensive des Präsidenten gelockert bekommen. Nun kann ich mir BIBI (Netanjahu) nicht als den Moslems zum Zuckerfest grüßenden Charmeur vorstellen.

Ich muss allerdings auch feststellen, dass die besetzten Gebiete trotz der geringen Distanz kaum ein Thema in Israel sind. Man hat sie so sehr aus der Öffentlichkeit, sei es durch Grenzen, durch Mauern, gedrängt, dass sie kaum noch einen Menschen in Tel Aviv interessieren.

Ein Verwandter von mir aus Kfar Saba sagte mir noch vor 3 Monaten: „Wir sind nur 5 Kilometer von der Grenze zur Westbank weg, aber für uns ist es gedanklich weiter weg, als für Dich.“

Ein lächelnder Ministerpräsident, mit brauchbaren Vorschlägen, Einwohner, die sich für die Problematik interessieren, könnten dafür sorgen, dass sich die Boykott-Stimmung wieder auflöst. Einige Unbelehrbare wird es immer geben.

Fakt ist, dass die palästinensischen Arbeitnehmer bei Soda-Stream Angst um ihre Arbeitsplätze haben, denn Soda-Stream ist ein bekannt guter Arbeitgeber dort.

 

1 Kommentar 7.2.14 16:33, kommentieren